Infos für Alleinerziehende in der Corona-Krise

Welche Hilfen gibt es für Alleinerziehende in der Corona-Krise? Wo und welche Unterstützungsleistungen können Alleinerziehende erhalten und wo können sie diese beantragen? Was passiert, wenn Alleinerziehende oder ihre Kinder plötzlich unter Quarantäne stehen? Wann greifen Lohnersatzleistungen und wo können diese beantragt werden? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Kinderkrankentage bei Kita- und Schulschließungen

Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass gesetzlich versicherte Alleinerziehende im Jahr 2021 pro Kind 40 statt 20 Tage Kinderkrankengeld beantragen können, maximal bei mehreren Kindern auf 90 Tage. Was ist jetzt zu tun?

  1. Wer die Kinderkrankentage zur Betreuung seines/r Kinder/s einsetzen möchte, wendet sich als erstes an seine Krankenkasse. Einige Kassen haben Online-Formulare auf ihren Websites hinterlegt, bei anderen Krankenkassen reicht ein formloses Schreiben. Sollten Krankenkassen einen Nachweis durch die Einrichtungen verlangen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine Musterbescheinigung entwickelt, die von Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen oder Schulen verwendet werden kann und eine Ergänzung zum formellen Antrag bei der gesetzlichen Krankenversicherung darstellt.
  2. Parallel sollte der Arbeitgeber informiert werden, dass Kinderkrankentage in Anspruch genommen werden.
  3. Der ausgefüllten Antrag wird bei der Krankenkasse abgegeben. Eine Kopie des Antrags geht an den Arbeitgeber.

Hier ist das Gesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht

Das Bundesgesundheitsministerium hat ein sehr umfangreiches FAQ zu den Kinderkrankentagen veröffentlicht.

Verdienstausfallentschädigung für Selbständige und Privatversicherte

Nicht gesetzlich Versicherte wie Selbständige und Freiberufler, sonstige Privatversicherte und freiwillig gesetzlich Versicherte ohne Anspruch auf Kinderkrankengeld sowie gesetzlich Versicherte mit privat versichertem Kind sind durch die Regelungen des Bundes leider nicht anspruchsberechtigt. Hier sorgt die Landesregierungvon Nordrhein-Westfalen dafür, dass diese Lücke geschlossen wird. Für Personengruppen, die keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld gem. § 45 SGB V oder vergleichbare Leistungen haben, wurde ein besonderes Programm zur „Betreuungsentschädigung“ geschaffen. Anspruchsvoraussetzung ist, dass ein Kind unter 12 Jahren häuslich betreut wird. Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, ist unschädlich. Beantragt werden können bis zu 10 Tage Verdienstausfallsentschädigung pro Kind (bei Alleinerziehenden 20 Tage). Der Tagessatz orientiert sich an den Entschädigungen nach Infektionsschutzgesetz und beträgt pauschal 92 Euro. Anträge können ab Februar 2021 bei den Bezirksregierungen gestellt werden.

Umgang bei Kontaktbeschränkungen

Das Land NRW hat die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Schutzverordnung aktualisiert. Es gibt nun Ausnahmen, die von der strengen 1+1 Regel (ein Haushalt + eine weitere Person) gemacht werden, davon ist auch der Umgang in Trennungsfamilien betroffen.  Die eigenen Kinder dürfen demnach zum Treffen mit einem anderen Haushalt mitgenommen werden.

Wörtlich lautet die Regel in NRW: "Beim Zusammentreffen von Personen eines Hausstandes mit höchstens einer Person aus einem anderen Hausstand, die von zu betreuenden Kindern aus ihrem Hausstand begleitet werden kann", dürfe der Mindestabstand unterschritten werden.

Die zweite Ausnahme lautet: Der Mindestabstand darf auch unterschritten werden, "wenn dies zur Begleitung und Beaufsichtigung minderjähriger und unterstützungsbedürftiger Personen oder aus betreuungsrelevanten Gründen erforderlich ist sowie zur Wahrnehmung von Umgangsrechten". Die strenge Auslegung der 1+1-Regel hätte sonst bedeutet, dass etwa getrennt lebende Väter oder Mütter nur eines ihrer Kinder hätten treffen dürfen. Auch Treffen zweier Mütter mit ihren Kindern beispielsweise auf einem Spielplatz wären ohne die Ausnahme nicht möglich gewesen, werden durch die Ausnahme in der NRW-Verordnung aber ermöglicht.

Newsletter VAMV NRW

Einfach auf dem Laufenden bleiben, was der VAMV NRW macht. In unserem Newsletter teilen wir wichtige Informationen für Alleinerziehenden wie Gesetzesänderungen und informieren über das, was wir tun.

Umgang in der Corona-Krise

Die Maßnahmern zur Eindämmung der Corona-Pandemie betreffen auch den Umgang. Getrennt lebende Eltern müssen entscheiden, ob der Umgang wie gewohnt stattfinden kann oder coronabedingt angepasst werden muss. Auch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat FAQ online gestellt, was die Coronakrise für das Sorge- und Umgangsrecht in Trennungsfamilien bedeutet.

Die Empfehlung, soziale Kontakte weitestgehend zu meiden, bezieht sich laut Ministerium nicht auf die Kernfamilie, wenn Eltern nach einer Trennung in zwei getrennten Haushalten leben. Bestehende Umgangsregelungen und gerichtliche Umgangsentscheidungen gelten grundsätzlich auch trotz Coronakrise weiter, können jedoch an die aktuelle Situation angepasst werden. Eltern sind aufgerufen, unter den gegebenen Umständen einvernehmlich vernünftige Lösungen zu finden. Gerade in dieser aktuellen Krise sollte die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund stehen.

Hier geht es zu den FAQ Umgang des Bundesjustizministeriums

Lohnentschädigung bei Quarantäne

Bei vorübergehender Schließung von Kitas und Schulen oder Quarantäne eines betreuungsbedürftigen Kindes haben Eltern Anspruch auf  eine Entschädigung für ihren Verdienstausfall. Voraussetzungen für die Lohnersatzleistung nach Infektionsschutzgesetz (IfSG §56): 

  • das jüngste Kind ist jünger als 12 Jahre oder behindert und auf Hilfe angewiesen;
  • keine andere Betreuungsmöglichkeit steht zur Verfügung (kein Anspruch auf Notbetreuung, Betreuung durch den anderen Elternteil oder Verwandte ist nicht zumutbar);
  • alle vorhandenen Möglichkeiten bezahlt der Arbeit fernzubleiben müssen ausgeschöpft sein (Abbau von Überstunden, Nutzung von Gleitzeit, Arbeit im Home Office; Urlaub muss nur genommen werden, wenn noch Resturlaub aus dem Vorjahr aufzubrauchen ist oder Betriebsferien herrschen).

Die Entschädigungszahlungen betragen in der Regel 67 Prozent des Verdienstausfalls (höchstens 2.016 Euro pro Monat). 

Lohnfortzahlung bei plötzlich wegfallender Kinderbetreuung

Kinder werden häufig sehr plötzlich unter Quarantäne gestellt und nach Hause geschickt. Die Eltern müssen die Betreuung übernehmen. Eine Berufstätigkeit ist dann oft nicht mehr möglich. Solange den Eltern aber kein Schreiben des Gesundheitsamts vorliegt zur "Häuslichen Absonderung gemäß §29ff des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) können diese beziehungsweise deren Arbeitgeber keine Lohnersatzleistungen nach §56 IfSG beantragen. 

In diesem Fall greift § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) "Vorübergehende Verhinderung". Dort steht: Der Vergütungsanspruch bleibt bestehen, wenn die Verhinderung nur eine "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" andauert. Dies sind nach allgemeiner Auffassung höchstens zehn Tage. 

Lagebericht zur Situation Alleinerziehender in der Corona-Krise

Der Verband allein erziehender Mütter und Väter Landesverband NRW (VAMV NRW) hat einen Lagebericht zur Situation von Alleinerziehenden in der Corona-Krise veröffentlicht. Unser Lagebericht veranschaulicht, warum die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Alleinerziehende ungleich härter getroffen haben. Eine wichtige Quelle dafür waren die mehr als 1000 Anrufe bei unserer Corona Krisenhotline. Wir haben dort Alleinerziehende  Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, finanziellen Hilfen gegeben und eine psycho-soziale Beratung geleistet.


Welche Hilfeleistungen gibt es für Alleinerziehende?

VAMV NRW Corona Linksammlung

Online-Rechner für Unterstützungsleistungen:

Hartz4-Rechner
Wohngeldrechner:
Kinderzuschlagsrechner

 

FAQ des Landes NRW zum Corona-Virus (Umgang, Kinderbetreuung, Arbeitnehmer etc.)
Umgangsfragen
Fragen zum Arbeitsrecht
Minijob neben Kurzarbeit

Das Antragstellung ist ausschließlich auf elektronischem Wege möglich. Detaillierte Informationen zur Antragsstellung gibt es:

Fragen zur Grundsicherung
Infos für Mieter*innen
Infos Verbraucherzentrale „Wenn das Geld knapp wird“
Infos für Studierende
Infos zum Arbeitsrecht

Info- und Hilfetelefone

Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen und stärken. Du findest andere Alleinerziehende aus NRW in unserer Facebook-Gruppe Alleinerziehenden-Treffs in NRW

Hilfetelefone anderer Träger
  • Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen“: 08000 / 116 016 (in 18 Sprachen) zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen.
  • Hilfetelefon "Sexueller Missbrauch": 0800 / 22 55 530 (Mo, Mi, Fr 9-14 Uhr, Di+Do 15-20 Uhr)
  • Hilfetelefon "Schwangere in Not": 0800 / 40 40 020
  • online-Chat der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Niederrhein e.V. zu Liebe, Partnerschaft, Sexualität, gewollter und ungewollter Schwangerschaft, Verhütung, Aufklärung: https://liebe-lore.de

Infotelefone zu bestimmten Themen:
  • Infohotline DGB zu arbeitsrechtlichen Fragen 030 / 212 40-525 Mo + Mi 10-14 Uhr
  • Infotelefon zur Lohnersatzleistung für Eltern: 0800 / 933 63 97 (Mo-Sa 7-20 Uhr)

Ideen, Links und Spiele für die Zeit zu Hause

Der VAMV Berlin hat eine umfangreiche Sammlung mit Anregungen für die Zeit mit Kindern zu Hause zusammengestellt. Darunter ist die tägliche Sportstunde mit den Basketball-Profis von Alba Berlin, Kreativideen zum Malen und Basteln, Onlinerätsel für die ganze Familie, Links zu virtuellen Museumsbesuchen aber auch Lernaufgaben für die Schule.

Hier geht es zu der Ideensammlung