Infos für Alleinerziehende in der Corona-Krise

Welche Hilfen gibt es für Alleinerziehende in der Corona-Krise? Wo und welche Unterstützungsleistungen können Alleinerziehende erhalten und wo können sie diese beantragen? Was passiert, wenn Alleinerziehende oder ihre Kinder plötzlich unter Quarantäne stehen? Wann greifen Lohnersatzleistungen und wo können diese beantragt werden? Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Kinderkrankentage bei Kita- und Schulschließungen

Gestern hat das Bundeskabinett beschlossen, dass gesetzlich versicherte Alleinerziehende im Jahr 2021 pro Kind 40 statt 20 Tage Kinderkrankengeld beantragen können, maximal bei mehreren Kindern auf 90 Tage.

Der Anspruch besteht auch, wenn ein Kind zu Hause betreut werden muss, weil Schulen oder KiTas geschlossen sind, die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben oder der Zugang zum Betreuungsangebot der KiTa eingeschränkt wurde. Eltern können das Kinderkrankengeld auch beantragen, wenn sie im Homeoffice arbeiten könnten.  Diese neue Regelung gilt rückwirkend ab 5. Januar.

Kinderkrankengeld – das wissen wir bislang sicher

Wer hat Anspruch?

Anspruchsberechtigt sind gesetzlich versicherte, berufstätige Eltern, die selbst Anspruch auf Krankengeld haben und deren Kind gesetzlich versichert ist. Voraussetzung ist auch, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind betreuen kann.

Wie muss der Anspruch nachgewiesen werden?

Ist das Kind krank, muss der Betreuungsbedarf gegenüber der Krankenkasse mit einer Bescheinigung vom Arzt nachwiesen werden. Dafür wird die „Ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes“ ausgefüllt. Muss ein Kind aufgrund einer Schul- oder Kitaschließung zu Hause betreut werden, genügt eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung.

Darf der komplette Anspruch für Schul-/Kitaschließungen verwendet werden?

Ja. Die 20 bzw. 40 Tage können sowohl für die Betreuung eines kranken Kindes verwendet werden als auch für die Betreuung, weil die Schule oder Kita geschlossen bzw. die Präsenzpflicht aufgehoben oder der Zugang eingeschränkt wurde.

Muss die Schule bzw. Kita komplett geschlossen sein?

Nein, auch wenn die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben, der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde oder nur die Klasse oder Gruppe nicht in die Schule bzw. Kita gehen kann, haben Eltern Anspruch.

Besteht der Anspruch parallel zum Anspruch auf Lohnersatzleistungen nach §56 des Infektionsschutzgesetzes?

Nein, wenn ein Elternteil Kinderkrankengeld beansprucht, ruht in dieser Zeit für beide Elternteile der Anspruch nach §56 des Infektionsschutzgesetzes.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Um die Höhe des Kinderkrankengeldes zu berechnen, benötigt die Krankenkasse Informationen zum Einkommen vom Arbeitgeber. Die Informationen darüber erhält die Krankenkasse direkt von dort.

  • Das Kinderkrankengeld beträgt grundsätzlich 90 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts.

  • Sofern Arbeitnehmer*innen in den letzten 12 Monaten Einmalzahlungen wie zum Beispiel Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld erhalten haben, beträgt das Kinderkrankengeld sogar 100 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts.

  • Aufgrund gesetzlicher Regelungen (Beitragsbemessungsgrenze) beträgt das tägliche Kinderkrankengeld maximal 109,38 Euro im Jahr 2020 beziehungsweise 112,88 Euro im Jahr 2021.

Umgang bei Kontaktbeschränkungen

Das Land NRW hat die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Schutzverordnung aktualisiert. Es gibt nun Ausnahmen, die von der strengen 1+1 Regel (ein Haushalt + eine weitere Person) gemacht werden, davon ist auch der Umgang in Trennungsfamilien betroffen.  Die eigenen Kinder dürfen demnach zum Treffen mit einem anderen Haushalt mitgenommen werden.

Wörtlich lautet die Regel in NRW: "Beim Zusammentreffen von Personen eines Hausstandes mit höchstens einer Person aus einem anderen Hausstand, die von zu betreuenden Kindern aus ihrem Hausstand begleitet werden kann", dürfe der Mindestabstand unterschritten werden.

Die zweite Ausnahme lautet: Der Mindestabstand darf auch unterschritten werden, "wenn dies zur Begleitung und Beaufsichtigung minderjähriger und unterstützungsbedürftiger Personen oder aus betreuungsrelevanten Gründen erforderlich ist sowie zur Wahrnehmung von Umgangsrechten". Die strenge Auslegung der 1+1-Regel hätte sonst bedeutet, dass etwa getrennt lebende Väter oder Mütter nur eines ihrer Kinder hätten treffen dürfen. Auch Treffen zweier Mütter mit ihren Kindern beispielsweise auf einem Spielplatz wären ohne die Ausnahme nicht möglich gewesen, werden durch die Ausnahme in der NRW-Verordnung aber ermöglicht.

Newsletter VAMV NRW

Einfach auf dem Laufenden bleiben, was der VAMV NRW macht. In unserem Newsletter teilen wir wichtige Informationen für Alleinerziehenden wie Gesetzesänderungen und informieren über das, was wir tun.

Umgang in der Corona-Krise

Die Maßnahmern zur Eindämmung der Corona-Pandemie betreffen auch den Umgang. Getrennt lebende Eltern müssen entscheiden, ob der Umgang wie gewohnt stattfinden kann oder coronabedingt angepasst werden muss. Auch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat FAQ online gestellt, was die Coronakrise für das Sorge- und Umgangsrecht in Trennungsfamilien bedeutet.

Die Empfehlung, soziale Kontakte weitestgehend zu meiden, bezieht sich laut Ministerium nicht auf die Kernfamilie, wenn Eltern nach einer Trennung in zwei getrennten Haushalten leben. Bestehende Umgangsregelungen und gerichtliche Umgangsentscheidungen gelten grundsätzlich auch trotz Coronakrise weiter, können jedoch an die aktuelle Situation angepasst werden. Eltern sind aufgerufen, unter den gegebenen Umständen einvernehmlich vernünftige Lösungen zu finden. Gerade in dieser aktuellen Krise sollte die gegenseitige Unterstützung im Vordergrund stehen.

Hier geht es zu den FAQ Umgang des Bundesjustizministeriums

Lohnentschädigung bei Quarantäne

Bei vorübergehender Schließung von Kitas und Schulen oder Quarantäne eines betreuungsbedürftigen Kindes haben Eltern Anspruch auf  eine Entschädigung für ihren Verdienstausfall. Voraussetzungen für die Lohnersatzleistung nach Infektionsschutzgesetz (IfSG §56): 

  • das jüngste Kind ist jünger als 12 Jahre oder behindert und auf Hilfe angewiesen;
  • keine andere Betreuungsmöglichkeit steht zur Verfügung (kein Anspruch auf Notbetreuung, Betreuung durch den anderen Elternteil oder Verwandte ist nicht zumutbar);
  • alle vorhandenen Möglichkeiten bezahlt der Arbeit fernzubleiben müssen ausgeschöpft sein (Abbau von Überstunden, Nutzung von Gleitzeit, Arbeit im Home Office; Urlaub muss nur genommen werden, wenn noch Resturlaub aus dem Vorjahr aufzubrauchen ist oder Betriebsferien herrschen).

Die Entschädigungszahlungen betragen in der Regel 67 Prozent des Verdienstausfalls (höchstens 2.016 Euro pro Monat). 

Lohnfortzahlung bei plötzlich wegfallender Kinderbetreuung

Kinder werden häufig sehr plötzlich unter Quarantäne gestellt und nach Hause geschickt. Die Eltern müssen die Betreuung übernehmen. Eine Berufstätigkeit ist dann oft nicht mehr möglich. Solange den Eltern aber kein Schreiben des Gesundheitsamts vorliegt zur "Häuslichen Absonderung gemäß §29ff des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) können diese beziehungsweise deren Arbeitgeber keine Lohnersatzleistungen nach §56 IfSG beantragen. 

In diesem Fall greift § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) "Vorübergehende Verhinderung". Dort steht: Der Vergütungsanspruch bleibt bestehen, wenn die Verhinderung nur eine "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" andauert. Dies sind nach allgemeiner Auffassung höchstens zehn Tage. 

Lagebericht zur Situation Alleinerziehender in der Corona-Krise

Der Verband allein erziehender Mütter und Väter Landesverband NRW (VAMV NRW) hat einen Lagebericht zur Situation von Alleinerziehenden in der Corona-Krise veröffentlicht. Unser Lagebericht veranschaulicht, warum die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Alleinerziehende ungleich härter getroffen haben. Eine wichtige Quelle dafür waren die mehr als 1000 Anrufe bei unserer Corona Krisenhotline. Wir haben dort Alleinerziehende  Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, finanziellen Hilfen gegeben und eine psycho-soziale Beratung geleistet.


Welche Hilfeleistungen gibt es für Alleinerziehende?

VAMV NRW Corona Linksammlung

Online-Rechner für Unterstützungsleistungen:

Hartz4-Rechner
Wohngeldrechner:
Kinderzuschlagsrechner

 

FAQ des Landes NRW zum Corona-Virus (Umgang, Kinderbetreuung, Arbeitnehmer etc.)
Umgangsfragen
Fragen zum Arbeitsrecht
Minijob neben Kurzarbeit

Das Antragstellung ist ausschließlich auf elektronischem Wege möglich. Detaillierte Informationen zur Antragsstellung gibt es:

Fragen zur Grundsicherung
Infos für Mieter*innen
Infos Verbraucherzentrale „Wenn das Geld knapp wird“
Infos für Studierende
Infos zum Arbeitsrecht

Info- und Hilfetelefone

Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen und stärken. Du findest andere Alleinerziehende aus NRW in unserer Facebook-Gruppe Alleinerziehenden-Treffs in NRW

Hilfetelefone anderer Träger
  • Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen“: 08000 / 116 016 (in 18 Sprachen) zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen.
  • Hilfetelefon "Sexueller Missbrauch": 0800 / 22 55 530 (Mo, Mi, Fr 9-14 Uhr, Di+Do 15-20 Uhr)
  • Hilfetelefon "Schwangere in Not": 0800 / 40 40 020
  • online-Chat der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Niederrhein e.V. zu Liebe, Partnerschaft, Sexualität, gewollter und ungewollter Schwangerschaft, Verhütung, Aufklärung: https://liebe-lore.de

Infotelefone zu bestimmten Themen:
  • Infohotline DGB zu arbeitsrechtlichen Fragen 030 / 212 40-525 Mo + Mi 10-14 Uhr
  • Infotelefon zur Lohnersatzleistung für Eltern: 0800 / 933 63 97 (Mo-Sa 7-20 Uhr)

Ideen, Links und Spiele für die Zeit zu Hause

Der VAMV Berlin hat eine umfangreiche Sammlung mit Anregungen für die Zeit mit Kindern zu Hause zusammengestellt. Darunter ist die tägliche Sportstunde mit den Basketball-Profis von Alba Berlin, Kreativideen zum Malen und Basteln, Onlinerätsel für die ganze Familie, Links zu virtuellen Museumsbesuchen aber auch Lernaufgaben für die Schule.

Hier geht es zu der Ideensammlung