Betreuungsmodell nach der Trennung finden: Hier wirst du beraten
Nach einer Trennung ist die Frage „Wie betreuen wir unser Kind jetzt?“ oft der größte Stressfaktor – und gleichzeitig der wichtigste Hebel für mehr Ruhe im Alltag. In diesem Artikel erfährst du, wer dich jetzt beraten kann.
Alles Wichtige auf einen Blick
- Es gibt verschiedene Modelle: Residenz, Wechsel, Nest
- „Richtig“ ist, was im Alltag stabil und kindgerecht funktioniert
- Beratung hilft bei Struktur, Kommunikation und tragfähigen Absprachen
- Wenn Geld knapp ist: Ansprüche (z.B. Kinderzuschlag, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss) mitprüfen
Alles Wichtige zuerst: Du musst das nicht allein klären
Wenn du gerade zwischen Gesprächen, Gefühlen und Alltag stehst: Beratung kann dir helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen – damit dein Kind verlässlich betreut ist und du planen kannst.
Welche Betreuungsmodelle gibt es
Trennungseltern in Deutschland können eigenständig entscheiden über das Betreuungsmodell sowie Zeit, Dauer und Häufigkeit des Umgangs. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben.
Egal, für welches Umgangsmodell ihr euch entscheidet: Es empfiehlt sich immer, eine Umgangsvereinbarung zu treffen. Bei der Erstellung der Umgangsvereinbarung können dir Fachkräfte aus verschiedenen Beratungsstellen helfen.
Wichtig ist nicht „perfekt“, sondern stabil, sicher, alltagstauglich.
Häufige Modelle sind:
- Residenzmodell: Das Kind lebt überwiegend bei einem Elternteil, Umgang beim anderen.
- Wechselmodell: Das Kind lebt ungefähr hälftig in beiden Haushalten.
- Nestmodell: Das Kind bleibt in einer Wohnung, die Eltern wechseln.
Woran du ein gutes Modell für euch erkennst
Eltern können eigenständig entscheiden über das Betreuungsmodell sowie Zeit, Dauer und Häufigkeit des Umgangs. In Beziehungen und Ehen werden Kinder von ihren Eltern ganz unterschiedlich betreut: manchmal gleichberechtigt, manchmal ist ein Elternteil so gut wie hauptverantwortlich. Diese Vielfalt kann sich auch in der Betreuung nach einer Trennung zeigen. Entscheidend ist, dass in der Wahl des Betreuungsmodells das Wohl und die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen. Je nach Alter sollten die Kinder in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.
Frag dich (und euch):
- Wie alt ist das Kind, was braucht es an Rhythmus?
- Wie weit sind die Wege (Kita/Schule, Freunde, Arzt)?
- Wer kann was realistisch leisten (Zeit, Gesundheit, Arbeit)?
- Wie klappt Kommunikation ohne Streit?
Das kannst du sagen, wenn Druck bei der Entscheidung über ein Betreuungsmodell entsteht: „Ich will eine Lösung, die für unser Kind verlässlich ist. Lass uns nach Alltag und Bedürfnissen entscheiden.“
Wo du Beratung bekommst
In jeder Kommune gibt es Angebote der Trennungs- und Scheidungsberatung. Das zuständige Jugendamt ist für Eltern und Kinder immer ansprechbar und berät zu Fragen des Sorge- und Umgangsrechts. Zusätzlich gibt es in jeder Kommune Familien-, Trennungs oder Scheidungsberatung, die je nach Ort unterschiedlich organisiert ist und von verschiedenen Trägern angeboten wird – zum Beispiel von Vereinen sowie freien oder kirchlichen Trägern. Die Beratung ist grundsätzlich kostenlos. Allerdings musst du teilweise mit längeren Wartezeiten auf einen Termin rechnen (ca. 4–8 Wochen).
- Jugendamt: Das Jugendamt ist für Eltern und Kinder eine zentrale Anlaufstelle und berät insbesondere zu Fragen des Sorge- und Umgangsrechts. Du bekommst Orientierung, welche Schritte sinnvoll sind, welche Möglichkeiten es gibt und wie kindgerechte Lösungen aussehen können – häufig auch mit vergleichsweise schnellem Zugang.
- Familien-, Trennungs- und Scheidungsberatung: Diese Beratungsstellen helfen dir, die Situation zu sortieren, Konflikte zu verstehen und tragfähige, kindgerechte Lösungen zu entwickeln. Viele Angebote werden von freien oder kirchlichen Trägern sowie Vereinen organisiert und sind kostenlos – je nach Auslastung kann es jedoch zu Wartezeiten von 4–8 Wochen kommen.
- Mediation: Mediation ist sinnvoll, wenn ihr grundsätzlich miteinander sprechen könnt, aber bei einzelnen Punkten feststeckt. Eine neutrale Person unterstützt euch dabei, strukturiert zu verhandeln und eine verbindliche Vereinbarung zu erarbeiten – zum Beispiel zu Umgangszeiten, Ferienregelungen oder Kommunikation.
- Fachanwalt/Fachanwältin Familienrecht: Wenn es strittig ist, du rechtliche Absicherung brauchst oder eine gerichtliche Klärung im Raum steht, kann eine anwaltliche Beratung wichtig sein. Dort bekommst du eine Einschätzung zu deinen Rechten und Pflichten sowie Unterstützung bei Vereinbarungen, Anträgen oder Verfahren.
Beratung ersetzt keine Entscheidung – aber sie macht sie klarer und sicherer.
Wenn ihr euch nicht einigt: Schutz und Struktur vor Tempo
Wenn Gespräche kippen, hol dir Unterstützung und dokumentiere Absprachen. Das kannst du sagen: „Ich kläre das mit Beratung und melde mich mit einem konkreten Vorschlag.“
Beratung hilft dir, Optionen zu prüfen, Schritte zu sortieren und eine Lösung zu finden, die trägt. Wenn du in NRW lebst: Nutze den Hilfe-Finder für NRW, um NRW-weit passende Beratungsstellen zu finden – ohne langes Suchen.
Nein. Eine Übergangslösung kann sinnvoll sein. Wichtig ist, dass sie verlässlich ist und euer Kind weiß, was wann passiert. Beratung hilft, das Schritt für Schritt zu klären.
Es gibt kein „besser“ für alle. Entscheidend sind Alter und Bedürfnisse des Kindes, Wege, Alltag, Arbeitszeiten und ob Absprachen ohne Dauerstress möglich sind.
Dann ist es oft gut, neutralen Support zu holen: Jugendamt, Familienberatung oder Mediation. Wenn du rechtliche Absicherung brauchst, kann auch eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt helfen.
Weil stabile Betreuung oft an Miete, Fahrtkosten, Kinderbetreuung und Arbeitszeiten hängt. Wenn es finanziell eng ist, kann es helfen, Ansprüche wie Kinderzuschlag, Wohngeld, Bürgergeld oder Unterhaltsvorschuss mitzudenken.