Eine Trennung birgt für Mütter noch heute ein großes finanzielles Risiko; dagegen sind Väter meist stärker gefordert, die Beziehung zu ihren Kindern zu erhalten. In vielen Fällen hängt dies mit der weiterhin verbreiteten traditionellen Arbeitsteilung in Paarfamilien zusammen: Nach der Geburt von Kindern bleiben viele Väter vollzeitbeschäftigt, während Mütter auf Teilzeit reduzieren. Ganz überwiegend sind Alleinerziehende weiterhin Frauen. Diese Muster sind nicht nur privat „gewählt“, sondern werden durch strukturelle Rahmenbedingungen verstärkt. Das Hauptverdiener-Zuverdienerin-Modell wird im Steuer-, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht begünstigt. So verstetigt sich die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt; der Wunsch nach gleichberechtigter Elternschaft wird erschwert.
Für Alleinerziehende bedeutet Trennung häufig: ein Einkommen statt zwei, gleichzeitig hoher Organisationsaufwand für Betreuung, Erwerbsarbeit und Haushalt. Besonders deutlich wird das am Wohnungsmarkt. Nach einer Trennung ist ein Wohnungswechsel oft die Regel, und viele Eltern möchten ihren Kindern neben der Trennung keinen Schul- oder Kitawechsel zumuten. Doch mit nur einem Einkommen wird Wohnungssuche zur existenziellen Herausforderung. Steigende Mietpreise führen dazu, dass Einelternfamilien nicht selten in prekäre Wohngebiete verdrängt werden.
Leistungen wie Kinderzuschlag, Wohngeld oder Grundsicherung (SGB II) sind wichtige Stützen. Gleichzeitig zeigen sich im Alltag Hürden: komplexe Zuständigkeiten, Anrechnungsregeln, zeitliche Lücken und Konfliktpotenziale – etwa wenn im SGB II Sozialleistungen nach „Umgangstagen“ aufgeteilt werden.