Wo lebt das Kind nach der Trennung: Das Residenzmodell
Nach einer Trennung ist die Entscheidung, wie eure gemeinsamen Kinder jetzt betreut werden, eines der wichtigsten Themen. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie der Umgang im Residenzmodell funktioniert.
Alles Wichtige auf einen Blick
- Residenzmodell: Kind lebt überwiegend bei einem Elternteil, der andere hat Umgang.
- Es schafft oft Stabilität durch weniger Wechsel und klare Alltagsstruktur.
- Du solltest Zeiten, Übergaben sowie Ferien/Feiertage möglichst schriftlich festhalten.
- Wenn ihr euch nicht einigen könnt, helfen Beratung. Wenn ihr euch nicht einigt, kann das Familiengericht enrscheiden (z.B. BGB § 1684 Abs. 1).
Was ist das Residenzmodell?
Eltern können eigenständig vereinbaren, wie häufig, zu welcher Zeit und wie lange ein Umgang stattfindet. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, welche Umgangsregelung nach einer Trennung gelebt werden soll. Beim Residenzmodell hat dein Kind seinen Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil. Dort wohnt es überwiegend. Der andere Elternteil hat geregelten Umgang. Das ist häufige Praxis nach Trennungen. Statistisch gesehen ist das Residenzmodell auch das häufigste Umgangsmodell in Deutschland: Nach aktuellen Erhebungen leben rund 80 bis 90 Prozent der Kinder getrenntlebender Eltern überwiegend bei einem Elternteil (meist bei der Mutter), während ein deutlich kleinerer Anteil in einem annähernd hälftigen Wechselmodell betreut wird.
Umgang orientiert sich immer am Wohl des Kindes
Das Residenzmodell wird von Trennungseltern häufig als Umgangsmodell gewählt. Umfang und zeitliche Gestaltung des Umgangs können dabei sehr unterschiedlich sein. Für Kinder bedeutet das Residenzmodell oft klare Strukturen: wenige Wechsel und vergleichsweise wenig Abstimmung zwischen den Eltern.
Umgang im Residenzmodell: So kann er aussehen
Beim Residenzmodell lebt das Kind überwiegend bei einem Elternteil. Der andere Elternteil hat regelmäßigen Umgang. Wie dieser Umgang genau aussieht, kann sehr unterschiedlich sein – entscheidend ist, dass er zum Alltag des Kindes passt und verlässlich gestaltet wird.
Die Wechsel zwischen den Haushalten können je nach Alter und Bedürfnissen des Kindes unterschiedlich häufig und unterschiedlich lang sein. Manche Kinder profitieren von kürzeren, dafür häufigeren Kontakten, andere von längeren zusammenhängenden Zeiten. Auch Übergaben (z.B. an der Kita, in der Schule oder an einem neutralen Ort) lassen sich so organisieren, dass sie für das Kind möglichst stressarm sind.
Typisch sind z.B.:
- jedes 2. Wochenende
- ein Nachmittag pro Woche
- Ferien und Feiertage aufteilen
Eltern sollten den Umgang an den Bedürfnissen ihres Kindes ausrichten und dabei flexibel entscheiden können, was in der jeweiligen Lebenssituation gut funktioniert. Das Wichtigste: Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt – und die Regelung passt zu Alter, Kita/Schule, den Wegen und dem Alltag eurer Familie.
Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- mehr Stabilität für das Kind
- weniger Übergaben, weniger Streitpunkte
- Alltag ist planbarer
Nachteile:
- du trägst oft mehr Alltagslast
- Kontakt zum anderen Elternteil muss aktiv gepflegt werden
- bei großen Entfernungen wird’s schwer
Für wen ist es geeignet?
Oft passend, wenn:
- das Kind Struktur braucht
- ein Elternteil wegen Arbeit/Wohnort weniger Betreuung leisten kann
- Absprachen zwischen den Eltern schwierig sind
Was du konkret regeln solltest
Auch im Residenzmodell sind klare Absprachen notwendig. In einer Umgangsvereinbarung könnt ihr wichtige Termine festhalten und regeln, wie das Bringen und Abholen der Kinder organisiert wird – ebenso, wie ihr wichtige Termine wie Geburtstage, Feiertage oder Hobbys plant.
Hilfreich ist, schriftlich festzuhalten:
- Umgangstage + Uhrzeiten + Übergabeort
- Ferien/Feiertage (z. B. Geburtstage)
- Bringen und Abholen: Wer übernimmt was, wann und wo?
- Organisation wichtiger Termine (Geburtstage, Feiertage, Hobby)
- Kommunikation (z.B. nur per Messenger)
- Nutze Mustervereinbarungen für die Umgangsregelung
Wenn du eine Umgangsregelung ansprechen möchtest, kannst du sagen: „Ich wünsche mir feste Zeiten, damit unser Kind planen kann.“
Rechtlicher Rahmen (kurz)
Eltern können Umgang einvernehmlich regeln. Kommt ihr nicht weiter, kann das Familiengericht entscheiden. Grundlage ist z.B. BGB § 1684 Abs. 1 (Umgangsrecht) und BGB § 1626 Abs. 1 (elterliche Verantwortung).
Finanzen und Unterhalt im Residenzmodell
Im Residenzmodell erfüllt der Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, seine Unterhaltspflicht in der Regel durch Betreuung, Versorgung und Alltagssorge (das wird Naturalunterhalt genannt). Der andere Elternteil leistet meist Barunterhalt, also eine monatliche Geldzahlung.
Der Unterhalt soll sicherstellen, dass das Kind finanziell abgesichert ist und seine Bedürfnisse – etwa für Wohnen, Ernährung, Kleidung, Schule und Freizeit – gedeckt werden können.
Wie hoch dieser Unterhalt ausfällt, hängt unter anderem vom Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils, vom Alter des Kindes und von weiteren gesetzlichen Vorgaben ab. In der Düsseldorfer Tabelle kannst du ablesen, wie hoch der Unterhalt jeweils ist. (Die Düsseldorfer Tabelle ist eine bundesweit gültige Richtlinie zur Berechnung des Kindesunterhalts in Deutschland. Sie ist kein Gesetz, wird aber von Familiengerichten als wichtige Orientierung genutzt und ordnet nach Nettoeinkommen des zahlenden Elternteils und Alter des Kindes, um einen typischen monatlichen Unterhaltsbedarf zu bestimmen.)
Wenn ihr euch nicht einigen könnt: Beratung hilft!
Beratung kann dir helfen, eine passende Umgangsregel zu finden, Übergaben sicher zu gestalten und Konflikte zu sortieren – ohne dass du alles allein tragen musst. Über einen Hilfe-Finder kannst du NRW-weit passende Beratungsstellen finden, ohne langes Suchen.
Oft ja: Wenn dein Kind überwiegend bei dir wohnt und der andere Elternteil Umgang hat, ist das praktisch ein Residenzmodell. Sinnvoll ist trotzdem eine klare Umgangsregel, am besten schriftlich.
Nein. Das ist nur ein häufiges Beispiel. Entscheidend ist, was zum Kind, zu Schule/Kita, zu Arbeitszeiten und zur Entfernung passt.
Versuch zuerst, die Regel konkret zu machen (Uhrzeiten, Ort, Ferien). Wenn das nicht reicht, kann eine Beratungsstelle vermitteln. Als letzter Schritt kann das Familiengericht eine Regelung treffen.
Dann sind klare, sichere Übergaben wichtig: neutraler Ort, kurze Übergaben, möglichst wenig Konflikt. Beratung kann helfen, eine Lösung zu finden, die euch schützt.
Ja. Wenn sich Bedürfnisse des Kindes, Wohnorte oder Arbeitszeiten ändern, kann auch die Umgangsregel angepasst werden. Wichtig ist, das gut zu begründen und frühzeitig zu besprechen.