Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.

Verband allein erziehender Mütter und Väter
Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Wechselmodell - die geteilte Kinderbetreuung nach der Trennung

Viele Eltern haben nach einer Trennung den Wunsch, die Betreuung aufzuteilen. Hier erfährst du, wie das Wechselmodell funktioniert, was das für den Kindesunterhalt bedeutet und welche Herausforderungen das Wechselmodell an alle Beteiligten stellt.

Alles Wichtige auf einen Blick

  • Wechselmodell heißt: annähernd gleich viel Betreuung in zwei Haushalten
  • Es klappt leichter mit Nähe, Planbarkeit und sachlicher Kommunikation
  • Vorteile: geteilte Verantwortung, planbare Auszeiten, beide Eltern im Alltag
  • Risiken: hoher Orga-Aufwand, Konflikte wirken schneller, oft höhere Kosten

Deine nächsten Schritte

  • Mach einen einfachen Wochenplan (Schule/Kita, Übergaben, Kranktage) und prüfe die Wege.
  • Schlag einen Probezeitraum vor und vereinbart klare Kommunikationsregeln (Kalender, kurze Übergaben).
  • Hol dir Beratung, wenn ihr feststeckt oder du Entlastung und Sicherheit brauchst.

Was ist das Wechselmodell?

 

Eltern können nach einer Trennung eigenständig vereinbaren, wie sie die Kinderbetreuung organisieren möchten. Das Wechselmodell ist eines von vielen verschiedenen Betreuungsmodellen nach einer Trennung.

Wie häufig ist das Wechselmodell? Statistisch gesehen wird das Wechselmodell in Deutschland bislang nur von einer Minderheit der Trennungseltern gelebt. Deutlich häufiger ist weiterhin das Residenzmodell, bei dem das Kind überwiegend bei einem Elternteil lebt und der andere Elternteil Umgang hat.

Wie kann das Wechselmodell konkret aussehen? Ein Wechselmodell kann sehr unterschiedlich organisiert werden, z.B.:

  • Wochenwechsel (eine Woche bei Elternteil A, eine Woche bei Elternteil B)
  • 2-2-3-Modell (zwei Tage Elternteil A, zwei Tage Elternteil B, drei Tage Elternteil A; in der Folgewoche umgekehrt)
  • 3-4-4-3 oder andere Rhythmen, die zu Arbeitszeiten, Schulalltag und Entfernungen passen

Entscheidend ist, dass beide Elternteile nicht nur Zeit „mit“ dem Kind verbringen, sondern Alltag und Verantwortung teilen: Bringen/Abholen, Hausaufgaben, Arzttermine, Freizeit, Regeln, Kleidung, Kommunikation mit Schule/Kita usw.

Unterschied: echtes Wechselmodell (50/50) vs. erweiterter Umgang

  • Echtes oder paritätisches Wechselmodell (50/50): Das Kind lebt zeitlich hälftig in beiden Haushalten. Beide Elternteile tragen die Alltagsbetreuung und Erziehungsverantwortung in vergleichbarem Umfang.
  • Erweiterter Umgang: Das Kind lebt überwiegend bei einem Elternteil (z.B. 60/40 oder 70/30). Der andere Elternteil hat mehr Umgang als üblich (z.B. zusätzliche Wochentage oder Übernachtungen), aber die Hauptverantwortung für den Alltag liegt weiterhin bei einem Elternteil.

Wann kann das Wechselmodell gut funktionieren?

 

Damit ein Wechselmodell im Alltag gut funktioniert und für euer Kind stabil bleibt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – vor allem gute Absprachen, kurze Wege und verlässliche Organisation.

Es hilft, wenn ihr:

  • genug miteinander reden könnt (auch kurz und sachlich)
  • nah genug wohnt (Kita/Schule, Freund*innen, Wege)
  • ähnliche Regeln findet (Schlafenszeiten, Medien, Hausaufgaben)
  • zuverlässig plant (Kalender, Übergaben, Notfälle)

Vorteile – was Kinder und Eltern oft entlastet

 

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen – etwa eine tragfähige Kommunikation, verlässliche Absprachen und eine kindgerechte Organisation – kann das Wechselmodell für Kinder und Eltern viele Vorteile bieten. Häufig entlastet es den Alltag, weil Verantwortung und Zeit fairer verteilt werden und beide Elternteile präsent bleiben.

  • Dein Kind hat mit beiden Eltern Alltag
  • Verantwortung wird geteilt
  • Du bekommst planbare freie Zeiten

Nachteile – das kann schwierig werden

 

Das Wechselmodell kann für Kinder gut funktionieren – aber nicht in jeder Situation. Wird es aus den falschen Gründen gewählt (z. B. um Unterhalt zu sparen) oder können Eltern die nötige enge Abstimmung und regelmäßige Kommunikation nicht leisten, kann das Modell schnell zur Belastung werden. Mögliche Nachteile sind:

  • Viel Organisation, viele Übergaben
  • Konflikte treffen das Kind schneller
  • Zwei Haushalte kosten oft mehr (Zimmer, Kleidung, Fahrt)

Ab welchem Alter ist es sinnvoll?

Es kommt weniger aufs Alter an als auf euer Kind. Kleine Kinder brauchen besonders stabile Abläufe. Bei Schulkindern zählt: Wege, Hausaufgaben, Freizeit. Frag dich: Wird dein Kind ruhiger oder gestresster durch das Hin und Her?

Finanzen und Unterhalt – grobe Orientierung

 

Wie wird Unterhalt im Wechselmodell berechnet? Anders als im klassischen Residenzmodell wird der Unterhalt nicht automatisch „halbiert“. In der Praxis wird meist so vorgegangen:

  • 1) Einkommen beider Eltern ermitteln (unterhaltsrelevantes Einkommen, ggf. bereinigt).
  • 2) Bedarf des Kindes bestimmen (in der Regel orientiert an der Düsseldorfer Tabelle; je nach Fall auch am zusammengerechneten Einkommen).
  • 3) Kindergeld anrechnen (weil es dem Kind zugutekommt, wird es bei der Verteilung des Bedarfs mitberücksichtigt).
  • 4) Bedarf nach Quoten verteilen: Beide Eltern haften anteilig nach ihrer Leistungsfähigkeit (Einkommensquote). Wer mehr verdient, trägt einen größeren Anteil.
  • 5) Ausgleichszahlung: Da beide Eltern bereits durch Betreuung und laufende Kosten beitragen, wird häufig nur der Unterschied der jeweiligen Anteile als Zahlbetrag zwischen den Eltern ausgeglichen.

Warum ist das Wechselmodell kein „Unterhalt-Spar-Modell“? Ein verbreiteter Mythos ist, dass im Wechselmodell „kein Unterhalt“ oder deutlich weniger Unterhalt anfällt. Tatsächlich bleibt der Bedarf des Kindes bestehen – oft sogar mit Mehrkosten, weil das Kind in zwei Haushalten lebt (z. B. zwei Kinderzimmer, doppelte Grundausstattung, höhere Fahrt- und Organisationskosten). Zudem gilt: Auch im Wechselmodell kann eine Ausgleichszahlung fällig sein, wenn die Einkommen unterschiedlich sind. Das Wechselmodell führt daher nicht automatisch zu weniger Zahlungen, sondern zu einer anderen Verteilung der Kosten zwischen den Eltern.

Wie genau Unterhalt im Wechselmodell berechnet wird, hängt stark vom Einzelfall ab.

Im Wechselmodell bleibt Kindergeld (2025: 255 Euro pro Kind) wichtig. Eltern müssen sich entscheiden, wer das Kindergeld ausgezahlt bekommt (Familienkasse zahlt nur an eine Person). Unabhängig davon wird das Kindergeld bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt.

So kannst du es ansprechen – einfache Sätze

 

Die Regelung des Umgangs kann für Trennungseltern schwierig sein. Wir haben ein paar Sätze für dich, damit du das Thema ansprechen kannst.

  • „Mir ist wichtig, dass unser Kind einen ruhigen Alltag hat. Lass uns einen Testplan für 8 Wochen machen.“
  • „Wir brauchen klare Übergaben. Ich schlage feste Zeiten und einen gemeinsamen Kalender vor.“
  • „Wenn wir streiten, klären wir das ohne Kind dabei.“

Wenn es (noch) nicht geht: Schutz und Stabilität vor Tempo

Wenn du dich unter Druck gesetzt fühlst: Du darfst auf Machbarkeit und Kindeswohl schauen. Manchmal ist ein anderes Modell erstmal stabiler – und ihr entwickelt es später weiter.

Beratung kann dir helfen, deine Situation zu sortieren, gute Absprachen vorzubereiten und den Blick auf Entlastung zu richten. Wenn du in NRW lebst: Über den Hilfe-Finder findest du NRW-weit passende Beratungsstellen, ohne langes Suchen.

Meist ist es annähernd halb/halb. Kleine Abweichungen sind normal. Entscheidend ist, dass beide Eltern echte Betreuung übernehmen.

Das hängt von eurer Situation und den Entscheidungen der Beteiligten ab. Wichtig ist: Du darfst Machbarkeit, Wege, Alltag und Belastung deines Kindes benennen. Für eine Einschätzung hol dir am besten Beratung.

Dann wird es oft schwer. Manchmal helfen klare Regeln: nur schriftlich, nur Kind-Themen, fester Kalender, Übergaben kurz. Wenn es eskaliert, ist Stabilität wichtiger als „Gleich viel“.

Unterhalt im Wechselmodell ist oft komplizierter, weil Einkommen, Betreuungsanteile und Mehrkosten eine Rolle spielen. Als Orientierung: 2025 gilt Kindergeld 255 Euro pro Kind, und Kindesunterhalt richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle. Lass das im Zweifel fachlich prüfen.

Ja, das ist oft sinnvoll. Ein befristeter Probeplan (z.B. 6–8 Wochen) mit festen Übergaben und einer Auswertung hilft, ohne sofort „für immer“ zu entscheiden.

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