Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.

Verband allein erziehender Mütter und Väter
Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Wir fordern: Verlässliche Unterstützung für Alleinerziehende!

Einelternfamilien gehören zur gesellschaftlichen Normalität. Trotzdem treffen viele Regelungen in Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht ihre Lebensrealität nicht ausreichend. Wir sehen die Ursachen nicht im „individuellen Versagen“, sondern in strukturellen Rahmenbedingungen: Ein Einkommen muss oft zugleich Betreuung, Existenzsicherung und Krisenreserven tragen. Aus unserem Grundsatzprogramm folgt deshalb klar: Wir brauchen eine Politik, die Kinder schützt, Existenz sichert und Zeit für Fürsorge ermöglicht – und die Gleichstellung so stärkt, dass nicht überwiegend Mütter die finanziellen Folgen von Trennung tragen.

Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW)

Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW)

Seit 1976 setzen wir uns in NRW als Interessenvertretung für Alleinerziehende und ihre Kinder ein. Unser Ziel: Alleinerziehende sollen als Familie genauso anerkannt werden wie alle anderen Familien.

Dafür leisten wir Aufklärungsarbeit, organisieren Veranstaltungen & Mitmach-Aktionen und unterstützen Fachkräfte in ihren Projekten für Alleinerziehende. 

Unsere Landesfachstelle Alleinerziehende schult rund 2.000 Beratungs-Fachkräfte im Jahr rund um die Themen Rechte und Finazen für Alleinerziehende.

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Alles Wichtige auf einen Blick

  • Einelternfamilien tragen Verantwortung oft ohne zweite erwachsene Person im Haushalt; das erhöht Risiken bei Betreuung, Krankheit und Einkommen.
  • Strukturelle Regeln begünstigen das Hauptverdiener-Zuverdienerin-Modell und verstärken Nachteile von Müttern nach Trennung.
  • Unterstützung muss Zeit, Geld und Gleichstellung zusammendenken
  • nicht nur Notlagen verwalten.
  • Wir fordern verlässliche Rahmenbedingungen, damit Kinder teilhaben können und Alleinerziehende handlungsfähig bleiben.

Ausgangslage: Einelternfamilien sind Normalität – Politik behandelt sie noch zu oft als Ausnahme

Wir verstehen Familie als verbindliche Verantwortung über Generationen hinweg. Wir verstehen alleinerziehend als das Tragen der Hauptverantwortung für ein oder mehrere Kinder im Haushalt – in der Fürsorgearbeit und häufig auch bei der finanziellen Absicherung. Diese Familienform lebt vielfältig: Manche Eltern tragen fast alles allein, andere erhalten mehr oder weniger Unterstützung durch den anderen Elternteil. Auch Verwandte, Freund*innen oder neue Partner*innen können im Alltag entlasten.

Trotzdem berücksichtigt die Familienpolitik diese Normalität zu oft zu wenig. Noch immer fördert der Staat vor allem die Ehe mit Kindern – zum Nachteil anderer Familienformen. Das zeigt sich im Alltag von Alleinerziehenden und ihren Kindern: Unterstützung erreicht sie nicht zuverlässig, Regelungen passen nicht zur Lebenslage, und die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Betreuung gerät unter Druck.

Wir kämpfen für deine Rechte!

Wir sind der Alleinerziehenden-Verein VAMV NRW. Wir kämpfen seit 50 Jahren für die Rechte Alleinerziehender und ihrer Kinder. Wir fordern ein Ende der Benachteiligungen und die Anerkennung als gleichberechtigte Familienform.

Keine Nachteile für Alleinerziehende!

Wir kämpfen für deine Rechte!

Warum besondere Unterstützung kein „Extra“ ist, sondern ein Ausgleich für strukturelle Lasten

Wir ordnen die Belastungen von Alleinerziehenden strukturell ein. In vielen Paarfamilien bleibt nach der Geburt des Kindes der Vater vollzeitbeschäftigt, während die Mutter ihre Erwerbsarbeit reduziert. Diese traditionelle Arbeitsteilung prägt Einkommen, berufliche Entwicklung und spätere Absicherung. Kommt es zur Trennung, trifft das finanzielle Risiko bis heute häufig die Mütter.

Das steuer- und sozialrechtlich begünstigte Hauptverdiener-Zuverdienerin-Modell verstetigt diese Schieflage. Gleichzeitig erwartet das Unterhaltsrecht seit 2008, dass alleinerziehende Mütter nach der Trennung finanziell schnell auf eigenen Füßen stehen. Was in der Paarfamilie oft als gemeinsame Entscheidung für die Kinder entsteht, wirkt nach der Trennung als Bumerang, wenn der Weg zurück in existenzsichernde Arbeit nicht gelingt.

Besondere Unterstützung bedeutet für uns: Politik muss Gleichstellung, Existenzsicherung und Zeit für Kinder zusammen denken. Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die stabilisieren, statt nur Krisen zu verwalten.

Lebensrealitäten, die zusätzliche Unterstützung brauchen: Ausbildung, Studium und Pflegeverantwortung

Viele Alleinerziehende bewegen sich in Lebensphasen, in denen Planungssicherheit besonders wichtig wird. Wer eine Ausbildung oder ein Studium mit Betreuung verbindet, trägt eine doppelte Last: feste Zeiten, Prüfungsdruck und geringe finanzielle Spielräume treffen auf einen Alltag, der ohne zweite erwachsene Person im Haushalt oft keine Ausweichoption kennt. Schon kleine Störungen – ein krankes Kind, eine geschlossene Kita, ein ausfallender Bus – können den gesamten Tagesplan kippen.

Noch stärker verdichtet sich der Druck, wenn Kinder einen Pflegebedarf oder eine chronische Erkrankung haben. Dann steigt nicht nur die organisatorische Komplexität, sondern auch der Bedarf an verlässlicher Entlastung: koordinierte Versorgung, flexible Betreuung, kurze Wege und sichere Übergänge. Ohne passende Unterstützung drohen Überforderung, Erwerbsabbrüche und soziale Isolation. Für uns steht dabei der Schutz der Kinder und die Handlungsfähigkeit der Mutter im Zentrum.

Absicherung und Übergänge: Unterstützung muss verlässlich wirken – nicht durch Komplexität verpuffen

Wenn das Einkommen nicht reicht, sichern Leistungen nach dem SGB II (Grundsicherung), Kinderzuschlag und Wohngeld das Existenzminimum. Diese Absicherung bleibt für Einelternfamilien zentral, weil hier häufig ein Einkommen für alles reichen muss: Wohnen, warme Betriebskosten, Sozialversicherungen und der Alltag mit Kindern.

Gleichzeitig erleben viele Alleinerziehende, dass komplizierte Anrechnungen und Zuständigkeitswechsel Sicherheit untergraben. Wenn Leistungen ineinandergreifen, brauchen Familien Klarheit, schnelle Bescheide und verständliche Verfahren. Sonst kostet die Absicherung zusätzliche Zeit, Energie und Nerven – Ressourcen, die im Alltag ohnehin knapp sind.

Einordnung typischer Gegenargumente: „Gleiche Regeln für alle“ führt nicht automatisch zu Gerechtigkeit

In Debatten heißt es oft, besondere Unterstützung verletze das Prinzip gleicher Behandlung. Wir halten dagegen: Gleiche Regeln wirken ungleich, wenn die Ausgangslagen ungleich sind. Alleinerziehende organisieren Betreuung, Erwerbsarbeit und Krisenmanagement häufig ohne zweite erwachsene Person im Haushalt. Dadurch steigen Risiken bei Krankheit, Betreuungsengpässen und teuren Übergängen nach Trennung.

Ein weiteres Gegenargument lautet, Unterstützung setze falsche Anreize. Unsere Position bleibt: Leistungen schaffen Stabilität für Kinder und ermöglichen Teilhabe. Sie ersetzen keine gute Infrastruktur, aber sie verhindern, dass Familien in existenzielle Krisen rutschen. Kinder brauchen Sicherheit im Alltag – unabhängig davon, wie die Familie organisiert ist.

Schlussfolgerung: Wir brauchen Politik, die Zeit, Geld und Gleichstellung zusammenführt

Aus unserem Grundsatzprogramm leiten wir ab: Alleinerziehende und ihre Kinder brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die sie als gleichberechtigte Familienform anerkennen. Unterstützung darf nicht erst greifen, wenn Krisen eskalieren, sondern muss Stabilität im Alltag schaffen.

Wir fordern deshalb:

  • eine Politik, die allen Kindern durch eine Kindergrundsicherung gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht und gute Bedingungen für gesundes Aufwachsen schafft;
  • eine Politik, die Alleinerziehenden ermöglicht, ausreichend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen – frei von existenziellen Nöten;
  • eine Politik, die Gleichstellung von Anfang an so fördert, dass nicht mehr nur ein Elternteil – in der Regel die Mutter – die Nachteile einer Trennung schultern muss.

Diese Ziele hängen zusammen. Wer Vereinbarkeit ernst nimmt, muss Betreuung, Arbeitszeiten, Steuerrecht und Existenzsicherung gemeinsam betrachten. Wer Kinder schützen will, muss die ökonomische Lage von Einelternfamilien stabilisieren. Und wer Gleichstellung will, muss das begünstigte Hauptverdiener-Zuverdienerin-Modell überwinden, damit Fürsorgearbeit und Erwerbsarbeit fairer verteilt werden.

Wir meinen das Tragen der Hauptverantwortung für ein oder mehrere Kinder im Haushalt. Dazu gehören Fürsorgearbeit und häufig auch die Verantwortung für die finanzielle Absicherung. Unterstützung durch den anderen Elternteil oder das Umfeld kann es geben, sie ersetzt aber nicht automatisch die Hauptverantwortung.

Weil Einelternfamilien strukturell andere Ausgangslagen haben: Betreuung, Erwerbsarbeit und Krisenbewältigung liegen häufig auf einer Schulter. Wenn Regelungen diese Realität nicht berücksichtigen, entsteht keine Gleichbehandlung, sondern eine neue Form von Ungleichheit.

Gleichstellung wirkt als Prävention: Wenn Fürsorge- und Erwerbsarbeit in Paarfamilien fairer verteilt sind, tragen nach einer Trennung nicht überwiegend Mütter die langfristigen Nachteile. Wir sehen deshalb Gleichstellung als zentralen Schlüssel, um Armut und Überlastung in Einelternfamilien zu vermeiden.

In Übergängen steigen Kosten, Unsicherheit und Organisationsaufwand gleichzeitig. Alleinerziehende brauchen dann schnelle, verständliche und verlässliche Absicherung, weil im Alltag kaum Puffer existieren. Wenn Verfahren kompliziert sind oder Leistungen verzögert kommen, verschärft das die Belastung.

Wir meinen damit die praktische Möglichkeit, Erwerbsarbeit und Betreuung so zu verbinden, dass Kinder gut versorgt sind und Eltern wirtschaftlich abgesichert bleiben. Für Alleinerziehende entscheidet Vereinbarkeit oft über Stabilität, weil keine zweite erwachsene Person Betreuungszeiten auffangen kann.

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