Wir vertreten die Position, dass Eltern selbstbestimmt und gleichberechtigt entscheiden sollen, welches Umgangsmodell individuell das Beste für ihre Kinder ist. Umgangsmodelle müssen den jeweiligen familiären Verhältnissen angepasst sein. In die Entscheidung, welches Umgangsmodell das richtige ist, sollen Überlegungen zum Kind einfließen – etwa Alter, Wünsche, Befindlichkeiten, Persönlichkeit und Bindungen.
Dabei ist für uns zentral: Kindeswohl bedeutet in der Praxis häufig „alltagstauglich“. Ein Umgang, der auf dem Papier gerecht wirkt, kann in der Lebensrealität der Familie Kinder belasten, wenn Wegezeiten, Kita- und Schulrhythmen, Schlafbedürfnisse, Arzttermine oder Freundschaften nicht berücksichtigt werden. Das gilt besonders für kleine Kinder, für die häufige Wechsel und unruhige Übergänge eine erhebliche Belastung darstellen können.
Besonders deutlich wird dies beim paritätischen Wechselmodell (also annähernd hälftige Betreuung in beiden Haushalten). Wir erkennen an, dass dieses Modell in manchen Familien gut funktionieren kann. Aus unserer Sicht funktioniert es jedoch nur dann, wenn die Eltern fähig und bereit sind, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Vor allem bei langanhaltenden Konflikten zwischen den Eltern sowie bei kleinen Kindern ist das Wechselmodell aus unserer Sicht nicht geeignet.