Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.

Verband allein erziehender Mütter und Väter
Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

FACHKRÄFTE GEWINNEN DURCH KINDERBETREUUNG IN DEN RANDZEITEN

Berufstätigkeit und Familie zu vereinbaren, ist eine enorme Herausforderung für alle Eltern. Alleinerziehende ohne privates Betreuungsnetzwerk werden dabei vor unlösbare Aufgaben gestellt, zumal in den systemrelevanten Berufen mit Schichtbetrieb im Dienstleistungsbereich, im Handel oder in der Pflege. Die Arbeitszeiten dort sind einfach nicht mit den gängigen Betreuungszeiten vereinbar. Die Folge: Das Fachkräftepotenzial der Alleinerziehenden geht verloren, ihre Familien sind abhängig von SGB-II-Leistungen, ihre Kinder sind von Armut bedroht. 


Erfolgsmodell in Essen seit 2014

Eine Lösung bietet das Projekt „Sonne, Mond und Sterne“, das der VAMV NRW seit 2014 in Essen durchführt. Das Projekt arbeitet auf der Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Arbeits- bzw. Fachkräfteförderung. Es ermöglicht Alleinerziehenden, existenzsichernd arbeiten zu gehen, indem es die  Kinderbetreuung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten von Kita und OGS im Haushalt der Eltern durch individuelle, ergänzende Betreuung sicherstellt. 

ABSCHLUSSBERICHT FACHKRÄFTE GEWINNEN DURCH KINDERBETREUUNG IN DEN RANDZEITEN

ABSCHLUSSBERICHT FACHKRÄFTE GEWINNEN DURCH KINDERBETREUUNG IN DEN RANDZEITEN

Seit 2019 betrieb der VAMV NRW mit Unterstützung der Auridis Stiftung gGmbH eine 3-jährige Transferstelle, um Randzeitenbetreuung nach dem Essener Modell auch in anderen Kommunen zu implementieren. Im Rahmen des Transfers wurden in 33 Kommunen Beratungsprozesse begleitet. Der Abschlussbericht untersucht die Transferhindernisse, die Gelingensfaktoren an den Standorten und gibt Hinweise, wie ein nachhaltiges und übertragbares Finanzierungskonzept ausgestaltet sein müsste.

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TRANSFERSTELLE RANDZEITENBETREUUNG

2019 bis 2022 betrieb der VAMV NRW eine Transferstelle, um die Randzeitenbetreuung nach dem Essener Modell auch in anderen Kommunen zu implementieren. In einem Abschlussbericht stellen wir die Erfolge der ergänzenden Kinderbetreuung, die Transferhindernisse und Gelingensfaktoren vor.

KINDERBETREUUNG IN DEN RANDZEITEN WIRKT

Von den bislang 49 Teilnehmer*innen konnten 30 Alleinerziehende eine Ausbildung aufnehmen beziehungsweise fortsetzen, 23 Ausbildungen wurden bislang abgeschlossen, nur vier Mal wurde die Ausbildung abgebrochen. Die anderen Teilnehmer*innen konnten durch das Projekt eine Arbeit aufnehmen oder mussten sie nicht aufgeben, weil die inderbetreuung nicht ausreichte. „Sonne, Mond und Sterne“ verbindet eine individuelle und damit möglichst kindgerechte (Zusatz-)Betreuung mit hohen arbeitsmarktpolitischen Erfolgsquoten und ermöglicht so eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Übertragbare Finanzierungskonzepte fehlen

Es gibt derzeit kein übertragbares und nachhaltiges Finanzierungskonzept für eine Randzeitenbetreuung im Haushalt der Eltern. Das steht einer flächendeckenden Skalierbarkeit der Projektidee von „Sonne, Mond und Sterne“ entgegen.  

  • Um ein Finanzierungskonzept übertragbar und nachhaltig zu gestalten, muss es eine öffentliche Finanzierung geben. Diese kann nicht auf rein kommunalen Füßen stehen. Es sollten Landes- und Bundesmittel zumindest flankierend eingesetzt werden können. 
  • Ein nachhaltiges und übertragbares Finanzierungskonzept sollte außerdem eine Kofinanzierung von Jugendhilfe und Arbeits-/Fachkräfteförderung sein. Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewegt sich in der Schnittmenge beider Felder und spricht beide Zielsysteme gleichermaßen an. Schließlich sollten auch die Arbeitgeber in die Finanzierung mit eingebunden werden können.

 

Unsere Handlungsempfehlungen:

  1. Prüfung, inwieweit die Randzeitenbetreuung im Haushalt der Eltern im Rahmen des NRW-Kinderbildungsgesetzes umgesetzt und entsprechend gefördert werden kann.
  2. Es sollten Programme im Bereich der Arbeits-/Fachkräfteförderung aufgelegt werden, die eine Förderung der Randzeitenbetreuung auch für Menschen ermöglichen, die nicht mehr im Leistungsbezug vom SGB II, SGB III oder BAföG sind.
  3. Die Möglichkeiten der betrieblich unterstützten Kinderbetreuung im Haushalt der Eltern mit Bring- und Holdiensten sollten ausgeweitet werden.