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Weniger Arbeiten – Alleinerziehende haben keine Wahl. Hintergrundgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung

10.02.2022  Weniger arbeiten und mehr Zeit für die Familie haben. Was sich viele Eltern wünschen, funktioniert für Alleinerziehende nur mit einem vollen Lohnausgleich. In einem Online-Hintergrundgespräch der Friedrich- Ebert-Stiftung zum Thema "Arbeitszeitverkürzung, Flexibilisierung und ein neues Verständnis der Normalarbeit" erinnerte unsere Fachreferentin Anja Stahl die teilnehmenden NRW-Landespolitiker*innen an die besondere Situation von Alleinerziehenden und ermutigte die Teilnehmenden, deren Bedarfe in der politischen Diskussion zu berücksichtigen.

Die Vier-Tage-Woche und eine Arbeitszeitverkürzung auf 32-Wochenstunden wird öffentlich gerade rege diskutiert. Die Corona-Pandemie hat der Diskussion um die Arbeitszeit der Zukunft einen neuen Schub verliehen. Arbeitnehmer*innen wünschen sich mehr Flexibilität in ihrem Erwerbsverlauf, und eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Ehrenamt und Beruf. Ein neues Verständnis von "Normalarbeit" in Richtung einer 4-Tage- bzw. 32-Stunden Woche biete die Chance einer Transformation hin zu einer Arbeitsgesellschaft zum Wohle der Menschen, so der Tenor der Online-Veranstaltung. "Viele Alleinerziehende haben aber nicht die Wahl, ob sie weniger arbeiten wollen. Sie müssen das Einkommen für ihre Familie allein erwirtschaften", sagt Anja Stahll vom VAMV NRW im Rahmen des Hintergrundgesprächs. Sie erinnerte die SPD-Politiker*innen auch daran, dass auch bei einer verkürzten Arbeitszeit eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung in den Randzeiten immer mitgedacht werden müsse. 

Der VAMV NRW hat dazu das Positionspapier "Aktionsplan Kinderbetreuung 2022-2027" veröffentlicht. Darin heißt es: "Berufstätigkeit und Kinderbetreuung sind für viele Eltern nach wie vor nicht zu vereinbaren: Für eine Vollzeittätigkeit sind die regulären Öffnungszeiten kaum ausreichend, atypische Arbeitszeiten sind so gut wie gar nicht durch institutionelle Angebote abgedeckt. Darüber hinaus ist die Kinderbetreuung in den Ferien in NRW nicht einheitlich geregelt. Die Folge: berufstätige Eltern (meist die Mütter) passen ihre Arbeitszeiten den bestehenden Kinderbetreuungsangeboten an. Alleinerziehende haben diese Wahl nicht. Sie müssen existenzsichernd arbeiten, um das Einkommen für ihre Familie zu erwirtschaften. Dabei treffen sie auf nicht ausreichende Kinderbetreuungsangebote. Sie müssen persönliche, fragile Netzwerke aufbauen. Die Organisation der individuell passenden Kinderbetreuung ist purer Stress und belastet die Alleinerziehenden." Der VAMV NRW fordert die NRW-Landespolitik auf, den Ausbau und die Umsetzung der Kinderbetreuung in allen Ressorts und Ausschüssen zu thematisieren und Beteiligte aller Lebensbereiche für die Bedeutung der Kinderbetreuung zu sensibilisieren. Die Politiker*innen sollen sich ein für eine landesseitige Finanzierung bedarfsgerechter Kinderbetreuungsangebote einsetzen.