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Studie: Wechselmodell verbessert Wohlbefinden von Trennungskindern nicht

Essen, 26.05.2021 Erste Ergebnisse der Studie "Familienmodelle in Deutschland" (FAMOD) bestätigen Überzeugungen des VAMV NRW in Bezug auf das Wechselmodell. In den ersten, in der Zeitschrift für das gesamte Familienrecht (FamRZ), veröffentlichen Ergebnissen der Studie heißt es: Das Wohlbefinden von Trennungskindern sei beeinflusst durch die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, das Konfliktniveau der Eltern und einen eventuell vorhandenen Loyalitätskonflikt und nicht durch die Wahl des Betreuungsmodells.

"Wir sind überzeugt davon, dass das Wohlbefinden der Kinder durch ein gesetzlich vorgeschriebenes Wechselmodell nicht verbessert werden kann", sagt Nicola Stroop, Vorstand VAMV NRW. Forderungen einiger Interessensvertretungen und Parteien, das Wechselmodell als Leitmodell zu verankern, können auf Grundlage der Studie nicht mit der Argumentation im Sinne des Kindeswohles geäußert werden. Nicola Stroop stellt deshalb fest: "Der Gesetzgeber erlaubt schon jetzt die Wahl des Betreuungsmodells, das individuell das beste für das Kind ist. Hier gibt es überhaupt keinen Änderungsbedarf."

Studienleiter Prof. Tobias Helms von der Uni Marburg sieht das genauso. In einer Pressemeldung schreibt er: „Unsere Studie ist im Großen und Ganzen eine Bestätigung für die von den Gerichten derzeit praktizierte Herangehensweise. Können sich die Eltern nicht einigen, hat der Richter das Wechselmodell als eine ernsthaft in Betracht kommende Option in Erwägung zu ziehen. Eine vorzugsweise heranzuziehende Lösung ist das Wechselmodell jedoch nicht. Ausschlaggebend ist das Wohl des konkret betroffenen Kindes.“

Der Anteil von Trennungsfamilien, die ein Wechselmodell praktizieren, liegt in Deutschland bei gerade einmal fünf Prozent. Kindern, die in einem solchen Modell leben, geht es aber mindestens genauso gut oder sogar ein wenig besser als Kindern, die im Residenzmodell leben. Das gilt vor allem für die Altersgruppe der 7- bis 14-Jährigen. Auch wie das Wechselmodell ausgestaltet wird, spielt eine Rolle. Positiv auf das Wohlbefinden wirkt sich insbesondere das asymmetrische Wechselmodell aus, bei dem die Kinder bei beiden Elternteilen mindestens 30 Prozent ihrer Zeit verbringen. Weniger stark ausgeprägt sind die positiven Effekte beim symmetrischen Wechselmodell, bei dem die Kinder jeweils zu gleichen Teilen von beiden Eltern betreut werden.

Für die Studie „Familienmodelle in Deutschland“ (FAMOD) wurden 1.233 Familien befragt, die nach einer Trennung ein Residenzmodell oder ein Wechselmodell praktizieren.